Auf dem Weg des Tees

Einen grünen Tee aufbrühen und ihn gemeinsam genießen: Das klingt einfach, und kann doch so kompliziert sein. Die japanische Teezeremonie fordert eine strenge Abfolge ritueller Regeln.

Mit dem Zen-Buddhismus fing alles an: Als die Mönche die neue Lehre aus China mitbrachten, hatten sie auch den Tee im Gepäck, der ihnen half, während der langen Meditationen wach zu bleiben. Doch das neue Getränk stieß nicht nur in den Klöstern auf Gefallen. Ab dem 13. Jahrhundert trafen sich auch Adlige, Wohlhabende und Samurai zum Teegenuss. Bei diesen Zusammenkünften galten ebenfalls die Grundprinzipien des Zen: Sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren, auf unnötigen Tand zu verzichten, die Umwelt bewusst wahrzunehmen - nichts sollte (und soll auch heute noch) vom eigentlichen Genuss ablenken.

Perfekt arrangiert

Im Laufe der Zeit rückte die Zeremonie, mit der der Tee zubereitet wurde, immer mehr in den Mittelpunkt. Regeln legen seither fest, wie die Utensilien zu benutzen sind, wann und wie der Tee aufgebrüht wird. Die Zubereitung selbst wurde quasi zu einer Art meditativer Übung, die den Geist des Zen repräsentiert:
Die Reduktion auf das Wesentliche, Einfache und Natürliche. Auch das dazu passende Geschirr, vor allem die Tee-Becher, sollte dem Prinzip des "wabi sabi"genügen. Einfach, aber formvollendet - und doch vom Gebrauch

Stiller Genuss

Bis heute gilt die Tee-Zeremonie Cha-do, wörtlich auch als "Weg des Tees" übersetzt, als kultureller Höhepunkt, der viel Vorbereitung erfordert. Nachdem die Gäste auf den Tatamimatten im Teehaus Platz genommen haben, werden ihnen die Utensilien präsentiert. Oft handelt es sich um wertvolle Stücke, die seit langem im Besitz der Familie sind. Vor den Augen der Gäste wird der Tee dann zubereitet und zum Trinken weitergereicht, wobei die Schale jedes Mal ein wenig gedreht wird, damit die Lippen der Gäste niemals dieselbe Stelle berühren. So genannte Kashi, kleine, farbenfrohe Süßigkeiten, sollen dazu den bitteren Geschmack des Tees mildern. Auch sie sind mit viel Liebe gefertigt und ihre Gestaltung der Jahreszeit angepasst. Rege Unterhaltungen gibt es während einer Tee- Zeremonie übrigens nicht. Die Stille soll helfen, den Genuss zu verinnerlichen.

Japan trinkt grün

In Japan wird größtenteils der unfermentierte grüne Tee getrunken. Bei der Tee-Zeremonie kommt der Matcha zum Einsatz, ein exquisites Grüntee-Pulver, das mit einem hölzernen Teebesen schaumig geschlagen wird. Touristen sind in Kyoto herzlich willkommen, selbst an einer Teezeremonie teilzunehmen (www.teaceremonyen.com).