Osaka - Business, Nightlife und steile Frisuren

Osaka gibt sich unkonventionell, frech und immer ein wenig lauter als die Konkurrentin Tokyo. Japans drittgrößte Stadt ist spürbar anders!

Eigentlich gibt sich Suzuki Hiroshi, Angestellter einer großen Firma, eher konservativ. Anzug, Krawatte, weißes Hemd, schwarze schlichte Lederschuhe – nur die zwanzig Zentimeter steile Igel-­Frisur mit blonden Strähnchen mag so gar nicht zum Business-Anzug passen. So wie Su­zuki wirken viele jüngere Arbeitnehmer in Osaka. Wer zur Mittagszeit über die zentrale Fußgän­gerzone Dotombori schlendert, trifft immer wieder auf erfrischend kreative Kleidung und freche Frisuren. Kein Wunder, hat die 2,6-­Millionen-­Stadt doch einen Ruf als Stadt der Modekreationen und neuen Trends zu wahren.

Stadt der Händler

Dass sich gerade Osaka so offen zeigt, hat historische Gründe. Während in Tokyo der konservative Shogun und später der Kaiser herrschten, war Osaka schon immer eine Stadt der Geschäfte. Selbst zu Zeiten der politischen Isolation wurden hier noch in­ternationale Kontakte abgewickelt. Überdurchschnittlich viele Bewohner wussten von fremden Ländern, hatten Kontakt zu Ausländern oder waren gar selbst schon außer Landes gewesen. Vielleicht sind die Osaker deshalb auch sprachlich schon immer ein wenig gewandter gewesen? Landesweit unterstellt man ihnen, was man umgangs­sprachlich noch am ehesten als „dicke Lippe" bezeichnen könnte. Nie um eine Antwort verlegen, stammen heute besonders viele Komiker aus der Hafenstadt.


Shoppen im Norden

Wie auch Tokyo hat Osaka gleich mehrere Zentren. Umeda (auch als Kita bekannt) im Norden der Stadt ist das eher moderne Zentrum. Vor allem die gigantische Shopping Underground Mall (Japans größte!) mit ihren zahllosen Boutiquen, Imbissen und Deli­katessen-­Läden lockt bis in die späten Abendstunden wahre Menschenmassen an. Hin und wieder ist es gar nicht so einfach, einen der Eingänge zu finden, die meist im Unter­geschoss der modernen Wolkenkratzer versteckt liegen. Wer Umeda lieber im Überblick entdecken will, sollte das Hep Five nicht auslassen. Auf dem Dach des Shopping-­Centers dreht sich seit Jahren ein fest installiertes Riesenrad. An guten Tagen reicht der Blick bis über den Hafen!

Spaß und Historie

Ganz anders zeigt sich Namba im Süden der Stadt. Das Herzstück ist die quirlige Do­tombori-­Fußgängerzone am Dotombori­-River. Zu allen Zeiten ergießen auf großen Bildschirmen Komiker ihre Witze auf das vorbeieilende Publikum, locken Restaurant-­Werber potentielle Gäste, winken gigantische Krabben-­Skulpturen und Kugelfische von den Hausfassaden. Zwischendrin liegen Theater, Kinos, Bars. Richtig ruhig wird es hier nie. Sogar die „Salarimen", klassische Angestellte wie Suzuki, sind hier gewagter ge­kleidet als es einem Tokyoter Kollegen je durchgehen würde.

Nur wenige Meter weiter liegt Den-­Den Town, die Elektronik-Meile Osakas und lebender Beweis japanischer Tech­nikverliebtheit. Auch das Ebisu­-Viertel rund um den Eiffelturm­-ähnlichen Tsutenkaku ist einen Besuch wert. Hier beweist sich Osaka ein weiteres Mal als Stadt des Amusements, mischen sich traditionelle Vergnügen mit modernen Bars und brutzeln nahezu rund um die Uhr kleine Restaurants landesweit bekannte Spezialitäten. Doch auch das alte Osaka ist nie weit. Weithin sichtbar ragt die Burg im Osten Osakas über die Stadt. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert, wurde unzählige Male zerstört – und jedes Mal stoisch wieder originalgetreu aufgebaut. Das letzte Wort hat eben doch immer Osaka.