Japans idyllische Mitte

Die Chubu-Region rund um Nagoya ist im Ausland vor allem als Wirtschaftsstandort bekannt: Toyota, Yamaha, Suzuki und Mitsubishi haben hier ihre Hauptquartiere aufgeschlagen. Doch Chubu hat viel mehr zu bieten als nur Wirtschaftskraft.

Mit der Burg, dem quirligen Basar-Viertel Osu und zahlreichen futuristischen Gebäuden ist Nagoya an sich schon eine Attraktion. Vor allem aber eignet sich Japans viertgrößte Stadt hervorragend als Startpunkt für zahlreiche Ausflüge ins traditionelle Japan.

Abgetaucht

Zum Beispiel auf die Ise-Halbinsel. Nur wenige Kilometer von Nagoya entfernt zeigt sich Japan als einsames Stillleben: Felsige Buchten und steile, grün bewaldete Berge, darüber ein Himmel, wie er blauer nicht sein könnte. Fischerboote tuckern die Küste entlang, am Wegesrand sitzen hier und da Frauen in weißen Baumwollhauben.

Es sind die Ama-Taucherinnen, die hier vor der Küste seit Jahrhunderten nach Abalonen und Kreiselschnecken suchen. Ohne Atemgeräte wohlgemerkt, bis zu 30 Meter tief. Seit mehr als zweitausend Jahren gibt es den Beruf der „Meeresfrau”, so die Übersetzung, und viel hat sich seither nicht geändert, vom Dress-Code einmal abgesehen. Bis in die 1950er tauchten die Ama noch nackt, dann kamen die weißen Baumwoll-Gewänder auf. Heute benutzen die meisten Ama Neoprenanzüge. Männer sind in diesem Beruf übrigens nicht zu finden: Sie gelten als zu schwach und verfroren. Wer ihnen nicht live an der Küste begegnet, schaut sich einfach die Ama-Show auf der Perleninsel Mikimoto Island an (www.mikimoto-pearl-museum.co.jp/en/index.html): Auch wenn es sich um eine Demonstration handelt – Darstellerinnen und Tauch-Leistungen im kalten Wasser sind echt.


Zu Besuch bei der Sonnengöttin

Von hier aus ist es nicht weit zu Japans wichtigstem Shinto-Schrein, dem Ise-Jingu. Die mehr als fünf Hektar große Anlage ist der Sonnengöttin Amaterasu gewidmet und wird alle 20 Jahre abgerissen, nur um an der gleichen Stelle wieder neu aufgebaut zu werden. So befremdlich dies auf westliche Besucher wirken mag, so bedeutungsvoll ist es: Der ewige Auf- und Abbau soll nicht nur sicher stellen, dass die Grundlagen des japanischen Schreinbaus an die nächste Generation von Zimmerleuten weitergegeben werden, sondern gilt auch als Verjüngungskur für die Göttin Amaterasu.


Chubus Gebirgs-Idylle

Nicht minder traditionell zeigt sich die Region nördlich von Nagoya: Entlang bewaldeter Gipfel, reißender Bergbäche und steiler Schluchten führt die Zugstrecke Richtung Hida-Takayama. Das kleine Städtchen vor der malerischen Kulisse imposanter 3000er-Berge stammt aus der Edo-Zeit. Seine engen Gassen mit ihren dunklen Holzhäusern lassen sich am besten per Rikscha oder zu Fuß erkunden. Rund 50 Kilometer weiter liegt das UNESCO Weltkulturerbe-Dorf Shirakawago. Um mit den gewaltigen winterlichen Schneemassen fertig zu werden, ragen die strohgedeckten Dächer des abgelegenen Bergdorfes im 60-Grad-Winkel gen Himmel.

Die Essenz Japans

Die wirklich und wahrhaftig japanische Erfahrung wartet jedoch am Strand von Shimizu: Knorrige Kiefern säumen den schwarzen Sand, während grandiose Sonnenuntergänge am Himmel verglühen. Und das ist nur der Blick nach Westen. Im Osten nämlich liegt die Suruga-Bucht. Und auf der anderen Seite der Mt. Fuji. Zugegeben: Oft hüllt er sich wochenlang in Nebel – reißt jedoch die Wolkendecke auf, ist es keine Frage mehr, warum gerade dieser Berg Japanern heilig ist. Nirgendwo sonst lässt sich die japanische Kultur so einfach mit einem einzigen Blick erfassen.  Aus Shimizu fährt der Reisende mit dem guten Gefühl nach Hause, Japan verstanden zu haben. Ganz ohne Worte.

INFO:

Gut zu erreichen...

Über den Centrair Flughafen (www.centrair.jp/en/) ist die Region Chubu nicht nur per Inlandsflug aus Japan, sondern auch nonstop aus Deutschland erreichbar: Lufthansa fliegt die Strecke fünfmal wöchentlich ab Frankfurt. Alternativ ist Nagoya natürlich auch per Zug und mit dem Schnellzug Shinkansen erreichbar (ca. 1:40 Std. ab Tokyo). Weitere Informationen zu den touristischen Highlights gibt es auf der Chubu-Website: http://go-centraljapan.jp/en/