Nippon Trekking - Japan langsam entdecken

Japan zählt mehr als drei Millionen Hektar Naturschutzgebiete, 75 Prozent unbebaute Fläche und spektakuläre Gebirgszüge im ganzen Land: Was läge näher, als die grünen Ecken als Wanderer zu entdecken?

Nichts als Natur – Berge, so weit das Auge reicht: Kein Haus, kein Schild stört die endlose Aussicht, während die Abendsonne das Meer von wilden Gipfeln in ein un­wirkliches Lila taucht. Die japanischen Alpen sind quasi der Gegenentwurf zu den vollen Straßen Tokyos – und gerade deshalb zieht es von April bis November die Wan­derer scharenweise nach Kamikochi, vom gemütlichen Spaziergänger auf Wochen­endausflug bis zu seriösen Alpinisten, deren Ausrüstung schon erkennen lässt, dass sie sich einen der Dreitausender der Umgebung vorgenommen haben. Der kleine autofreie Ort am Ufer des Azusagawa-­Flusses liegt auf 1500 Metern Höhe und ist damit der ideale Ausgangspunkt für Touren zum Mount Hodaka, dem aktiven Vulkan Yakedake und dem mächtigen Yarigatake mit seinen 3180 Metern.

Berge sammeln

Generell sind die japanischen Alpen gut erschlossen: Markierte Wanderwege, Berg­hütten (die nach deutschem Vorbild oft als „hyutte" bezeichnet werden) und eine Fülle von Kartenmaterial warten auf den Wanderer, genauso wie zahlreiche heiße Onsen-­Bäder, in denen sich der Muskelkater abends ganz hervorragend aus den Gliedern dampfen lässt.

Die japanischen Alpen mit ihren zwölf Dreitausender-­Gipfeln sind genauso spektakulär wie der wilde Norden Honshus, Hokkaidos oder der Mount Fuji. Freilich zeigen sich die japanischen Alpen weitaus grüner als europäische Berge: Dank des milden Klimas liegt die Baumgrenze bei rund 2400 Metern Höhe. Noch üppiger wird es nur auf der südlichsten der Hauptinseln, auf Kyushu. Hier sind es vor allem spektakuläre Vulka­ne wie der Mount Aso, die den Wanderer die Schuhe schnüren lassen. Auch die Insel Yakushima vor Kyushu gehört zu den echten Wandertraumzielen. Die verwunschen an­mutenden Zedernwälder – die ältesten der Welt! – verschafften der Insel bereits 1993 den Status als UNESCO­-Weltnaturerbe.

Passionierte Trekking-­Fans nehmen sich gar die „Hyakumeizan" vor, die 100 berühmten Berge, wie sie der Alpinist Kyuya Fukada im Jahre 1964 beschrieb. Seither erfreut sich das Buch ungebro­chener Beliebtheit und dient vielen Japanern als eine Art „To-­Do­-Liste" – sogar Kronprinz Naruhito ist bekennender Gipfelsammler nach Kyuyas Liste!

Unterwegs auf historischen Spuren

Wer Japan zu Fuß entdecken will, muss jedoch nicht unbedingt hohe Berge bezwingen. Überall im Inselreich gibt es zahlreiche Pilgerpfade, die teils auf Jahrhunderte alte Geschichte zurück­blicken: Wie der Kumano Kodo auf der Kii-Halbinsel, der zahl­reiche Shinto-­Schreine und buddhistische Tempel verbindet, die alten buddhistischen Pilgerwege auf der Kunisaki Halbinsel oder der 88-­Tempel-­Weg rund um die Insel Shikoku. Weniger bekannt, aber genauso spannend, ist der Nakasendo-­Weg von Kyoto nach Tokyo, über den viele Jahrhunderte lang der Handel und Reise­verkehr zwischen Nord und Süd abgewickelt wurde.

Nicht zuletzt lockt Japan aber auch mit eigens angelegten Trekking-­Pfaden, die die großen Städte bewusst nur streifen. Unter ihnen gehört der Tokaido Nature Trail zu den schönsten. Seit 1970 zieht er sich auf rund 1700 Kilometern von Mount Takao nahe Tokyo bis zum Quasi-­Nationalpark Meiji no Mori Mino nahe Osaka und verbindet elf Präfekturen. Auch wenn die wenigsten Wanderer ihn in seiner gesamten Länge erleben: Jeder einzelne Blick von einem der zahl­reichen Gipfel ist die Reise wert!

Einfach ausprobieren

Wandern in Japan bedeutet nicht zwingend eine mehr­tägige Tour. Von Tokyo aus bieten sich beispielsweise Ta­gestouren nach Mount Takao (www.takaotozan.co.jp) oder durch die Berge bei Nikko an, während ab Nagoya der Pano­ramazug „Wide­View­Train" in nicht einmal zwei Stunden bis nach Takayama im Herzen der Alpen rauscht.

Praktische Tipps

Ausrüstung: Gute Schuhe sollte man mitbringen, da europäische Schuhgrößen in Japan nicht immer vor­rätig sind. Alles andere, vom Wanderstock bis zum Proviant, gibt es vor Ort.

Beste Reisezeit: Die meisten Wanderwege sind von Mitte April bis Mitte November geöffnet. Je weiter süd­lich, desto kürzer sind die winterlichen Schließzeiten.

Buchtipp:
David Joll, Craig Mc Lachlan, Richard Ryall: „Hiking in Japan", Lonely Planet Publications

Web-Tipps:
www.walkjapan.com – Der Veranstalter bietet eine ganze Reihe von geführten Wandertouren an.
www.outdoorjapan.com – Alles rund um das Thema Trekking