Nara - Zwischen Kirschblüten und Tempeln

Die "Wiege der japanischen Kultur" nennt man sie. Zu Recht: Japans erste Hauptstadt ist auch heute noch eine der wichtigsten historischen Stätten - und landschaftlich wunderschön dazu!

Die Sembei-Verkäufer von Nara können sich beruhigt zurücklehnen: Das knusprige Gebäck braucht keine Werbung. Zumindest nicht im Nara-Park, denn nicht nur die menschlichen Besucher knabbern gerne am Keks, sondern auch die rund 1200 freilaufenden Shika-Hirsche des Parks, die für einen tiergerecht gebackenen Shika-Sembei auch mal das Gras links liegen lassen - und gelernt haben, sich zum Dank zu verbeugen! Weil sie gar so niedlich sind, stehen sie Besucher Schlange, um sie zu füttern.

Buddhistisches Zentrum Nara

Die eigentliche Attraktion des Parks sind natürlich nicht die Tiere, sondern die gewaltige Anlage des Todaiji Tempels aus dem achten Jahrhundert. Er ist nicht nur das größte Holzgebäude der Welt, sondern beherbergt auch den "Daibutsu", mit 16,2 m Höhe und 452 Tonnen Gewicht die größte bronzene Buddha-Statue der Welt. Zu ihren Füßen steht eine Säule mit einem kleinen Durchlass in der Größe seines Nasenlochs. Wer es schafft, sich hier durchzufädeln, darf der Legende nach im nächsten Leben auf die Erleuchtung hoffen. Aber auch ohne sportliche Leistungen ist der Daibutsu sehenswert.

Immerhin gilt Nara als die Quelle des japanischen Buddhismus: Von 710 bis 794 war sie unter dem Namen Heijo die erste Hauptstadt Japans. Dem Buddhismus zugeneigt, förderte Kaiser Shomu die neue Lehre und verbreitete den Glauben im ganzen Land. So einflussreich wurden Naras Klöster und Tempel, dass 784 die Hauptstadt nach Nagaoka verlegt wurde, um ihre Macht zu verringern. Doch auch der Shinto-Glaube ist in Nara präsent. Nur wenige Gehminuten weiter leuchtet ein frisches Rot durch das Grün der Bäume: Der im Jahre 768 errichtete Shinto-Schrein Kasuga Taisha (wörtlich übersetzt der Schrein des Frühlingslichts,
www.kasugataisha.or.jp) ist nicht nur seiner Architektur wegen bekannt: Fast dreitausend Laternen, meist Gaben der Besucher, schmücken ihn. Zweimal im Jahr werden sie angezündet und verwandeln den Schrein in ein wahres Lichtermeer.


Mt. Yoshino: Am Kirschblütenmeer

Für den Reisenden besonders praktisch ist: Nara liegt nur wenige Kilometer von Osaka und Kyoto entfernt und ist damit auch als Tagesausflug planbar. Schade wäre es allerdings schon, die Region so schnell abzuhandeln, denn in der Präfektur Nara locken nicht nur Tempelanlagen, sondern auch eine der schönsten Landschaften Japans: Der Mount Yoshino (www.yoshinoyama-sakura.jp/english/). Im Frühjahr schafft es die Bergkette mit ihren über 30.000 Kirschbäumen über Tage hinweg in die Nachrichten und lässt die ganze Nation mitfiebern: Wann wird die Kirschblüte kommen?  Wie lange bleibt sie? In dieser Zeit verwandelt sich der Mount Yoshino in eines der Lieblingsreiseziele der Japaner.  Kein Wunder, dass er samt Seilbahn und Wanderwegen gut erschlossen ist.

Den Rest des Jahres ist der Mount Yoshino eine idyllische Einkehr. Und dies nicht nur für Touristen. Seit vielen Jahrhunderten suchen die Pilger der Shugendo-Schule, einer Mischung aus Buddhismus, Daoismus, Shinto und Wunderglaube, hier den meditativen Kontakt zur Natur. Kernstück ist dabei der Pilgerweg zum heiligen Berg Omina.  Zusammen mit dem Mount Kii und dem Kumano Pilgerpfad wurde Mount Yoshino daher 2004 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Und dies ist nicht das einzige UNESCO Welterbe der Region: Auch das typisch japanische Washi-Papier stammt ursprünglich aus der Provinz Nara, genauer gesagt aus Higashi-Yoshino am Takamigawa-Fluss. Die bunten Papierbögen aus Strauch-Fasern geben nicht nur ein wundervolles immaterielles Kulturerbe ab, sondern auch ein beliebtes Souvenir. Im Nara-Park sollte man es allerdings ordentlich wegpacken, will man es nicht unfreiwillig an die Hirsche verfüttern…

http://www.pref.nara.jp/item/79937.htm#itemid79937