Trendy Japan

Manga, Nintendo, Trading Cards … viele Facetten der japanischen Pop-Kultur sind in Europa längst angekommen. Was nicht heißt, dass Japan nicht noch mit einigen Überraschungen aufwarten könnte.

Spätestens im Dog Café von Ebisu dürften viele ausländische Besucher ins Grübeln geraten. Zum Beispiel, weil die Karte für japanische Verhältnisse wirklich Fleisch-lastig ist und die Dinner-Konversation sich hier und da als schwierig erweist. Immerhin hat die Klientel des Dog Cafés in der Regel nichts dagegen, wenn Herrchen oder Frauchen mitessen. Sie ahnen es schon: Hier wird für Hunde serviert, Menschen sind eher als Begleitpersonen erwünscht, zum Beispiel nach einem kleinen Shopping-Trip zu den Hunde-Boutiquen im nahegelegenen Harajuku. Das Tokyoter Hip- Viertel Ebisu ist damit typisch für einen Trend, der in ganz Japan zu finden ist: Um den vierbeinigen Begleiter zu verwöhnen, ist vielen Japanern nichts zu teuer.

Verwöhnprogramm im Maid-Café

Wer in Ebisu in Sachen Gastro-Trends nicht auf den Hund, aber immerhin auf den Geschmack des Außergewöhnlichen gekommen ist, kann im Stadtviertel Akihabara weiter forschen. „Electric Town“ wird die Ecke im Nordosten der Innenstadt auch genannt. Nirgendwo sonst drängen sich so viele Spielecenter, Elektronikläden und Manga-Geschäfte auf so engem Raum. Zwischendrin werben Maid-Cafés für ihren Service. Im rüschigen Dienstbotenkleidchen begrüßen die Maids ihre „Gebieter“ mit einem herzlichen „Willkommen zuhause“ und bedienen sie rundum zuvorkommend.

Genauso oft trifft der Spaziergänger in Electric Town auf Sammelkarten-Shops: Hier werden „Trading Cards“ verkauft, wie sie auch auf den deutschen Schulhöfen mit Begeisterung getauscht werden. Nur dass die Karten in Akihabara eben nicht eine Ecke des Regals einnehmen, sondern fünf Stockwerke große Kaufhäuser füllen. Teilweise befähigen die Karten z. B. ihre Besitzer im Spielecenter nebenan an den zahllosen Automaten, die Rolle ihrer Lieblingsfigur einzunehmen. Unter Gedudel und Geflimmer vertreiben sich hier viele Schüler die Freizeit und spielen längst die Games, die in Europa noch nicht einmal auf dem Markt sind.

Japan wie gemalt

Zugegeben, das mag nicht jedermanns Geschmack sein. Andererseits ist Akihabara quasi eine der Quellen der japanischen Pop-Kultur und schon aus diesem Grund sehenswert. Genauso wichtig ist: Akihabara ist das natürliche Biotop der „Otakus“. Alle, die bei diesem Begriff an bunte Vögel denken, liegen gar nicht so falsch. Hinter dem Begriff verstecken sich Fans, die quasi ihr ganzes Leben der Leidenschaft für Manga-Comics und Anime-Filme widmen und oft sogar komplett in Kostüm und Rolle ihrer Lieblings-Mangas schlüpfen. Und dies sind, zur Freude der Touristen, gar nicht einmal wenige, immerhin stammt der Manga aus Japan. Seine Geschichte reicht übrigens weitaus tiefer in die Vergangenheit als gemeinhin angenommen. Wer den Manga eigentlich erfunden hat, ist heute zwar nicht mehr festzustellen - sicher ist aber, dass die Kalligraphie- Rollen des Kyotoer Kosanji-Tempel heute nicht nur als nationaler Kunstschatz, sondern auch als erste „Manga“ Japans gelten. Bereits Ende des 12. Jahrhunderts entstanden die Bilder, deren überzogene Darstellungen des menschlichen Alltags durch tierische Figuren nur einem einzigen, sympathischen Zweck dienten: der allgemeinen Unterhaltung. Eine Tatsache, die ihnen im Laufe der Zeit auch ihren Namen einbrachte, der sich wörtlich mit „komische (man) Bilder (ga)“ übersetzen lässt.